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ESV Sackbahnhof

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Altgedienter Eisenbahnersportverein aus dem Münchner Südwesten. Gegründet am 11. Dezember 2007 von einer missmutigen Runde kettenrauchender Privatisierungsgegner. Vereinszweck ist das Klagen über unverständliche Fahrkartenautomaten sowie "die da oben in Berlin bzw. Brüssel". Das Vereinsmotto "Früher war alles besser!" wird bei besonderen Anlässen und zur alljährlichen Weihnachtsfeier als Kanon angestimmt (siehe Kasten).

In den Wartezeiten bis zur Vollständigkeit des chronisch unpünktlichen Präsidiums wird von den gehfähigen Mitgliedern Fußball gespielt.


Inhaltsverzeichnis

Das Präsidium

Präsident
Horst Edamer


Präsident Horst Edamer

Ein Mann wie ein sehr dicker Baum oder ein sehr kleiner Turm. Unternehmer, Freigeist, Funktionär, Führungsperson. Geboren in München, Sohn eines ehrlichen, aber erfolglosen Metzgergesellen und einer ehrlichen, aber widerwärtigen Großbauerntochter. "Dir soll es einmal besser gehen als Deinen Eltern", gab ihm sein Vater früh auf den Weg, und das war fortan das Ziel des jungen Horst: "Mir soll es einmal besser gehen als meinen Eltern!"

Heute hat Edamer dieses Ziel erreicht. Tatkräftig baute er die marode Metzgerei seines Vaters aus zu einem solide dahinwirtschaftenden Export- und Importbetrieb für Fleischabfälle, dem trotz Dutzender Untersuchungen der Gewerbeaufsicht und mehrerer anonymer Anzeigen bis heute nichts nachgewiesen werden konnte. Beliebt bei der multikulturellen Belegschaft als Mann, der jederzeit klaglos einen Mindestlohn bezahlt, wird – zum allgemeinen Neid der Kollegen in der Industrie- und Handelskammer – die Einrichtung eines Betriebsrats als überflüssig erachtet.

Sein geschäftlicher Erfolg, sein soziales Engagement und seine stets blendend aussehenden, häufig ukrainischen oder asiatischen Lebensgefährtinnen qualifizieren Edamer Jahr für Jahr bei der Hauptversammlung zum idealen Repräsentanten einer vorurteilsfreien, aufrechten und sozial denkenden Sportkörperschaft.

Schatzmeister Schriftführer Stellvertretender Schriftführer 2. Stellvertretende Schriftführerin
Manfred Klotz
Hans-Jürgen Wagenburger
Fürchtegott Huber
Elisabeth Klotz

Vereinsgrundsätze

ESV Sackbahnhof
Bild:sack1.gif
Manager: GPfitzmann
Gründung: 11.12.2007
Liga: Landesliga 24
Land: Deutschland
Vereinsfarben: Rot-Rot-Grün
Arena AufHeidrunRummel (80612 Plätze)

(vorm. Heidrun-Rummel-Kampfbahn)

Nord-Tribüne: 19555 Sitzplätze m. Dach
Ost-Tribüne: 20196 Sitzplätze m. Dach
Süd-Tribüne: 19667 Sitzplätze m. Dach
West-Tribüne: 21194 Sitzplätze m. Dach
Titel und Erfolge
  • Meister der Kreisliga 377 in der Saison 54
  • Meister der Bezirksklasse 98 in der Saison 57
  • Meister der Landesklasse 26 in der Saison 77
  • Meister der Landesklasse 56 in der Saison 89
  • Bamberg-Pokalsieger in der Saison 81
  • Berlin-Cupsieger in der Saison 81
  •  %Borussia cup%-Sieger in der Saison 84
  • Coppa dei Lupi-Sieger in der Saison 89
  • Coppa dei Lupi-Sieger in der Saison 92
  • titikaka champions league Sieger Saison 93
  • Zweikampfstärkster Spieler der Landesklasse 47: Stepan Smirnov, Torwart, Saison 67
  • Torschützenkönig der Landesklasse 14: Lutz Kirschofer, Mittelstürmer, Saison 70
  • Torschützenkönig der Landesliga 7: Lutz Kirschofer, Mittelstürmer, Saison 71
  • Torschützenkönig der Landesklasse 49: Leonard Hauptmann, Saison 76
  • Torschützenkönig der Landesklasse 26: Leonard Hauptmann, Saison 77
  • Torschützenkönig der Landesklasse 44: Leonard Hauptmann, Saison 81
  • Torschützenkönig der Landesklasse 56: Clemens Wild, Saison 89
  • 42x souverän nicht abgestiegen
  • 1x mit der achtbesten Heimbilanz abgestiegen
  • 1x mit dem Torverhältnis 50:51 abgestiegen
Spielerhymne "ESV, wie hast du mich verraten"
ESV, ach ESV, wie hast du mich verraten! 
ESV, ach ESV, was hast du mir getan! 
ESV, ach ESV, den Lohn zahlst du in Raten 
Mein Stammplatz heißt Ersatzbank 
Und mein Rasen Aschenbahn 
Was ist geworden 
aus dem schönen Aufstieg?
Wo ist der Traum 
vom jungen Meisterteam?
Deine Zukunft, hieß es, 
ist die eig’ne Jugend – 
jetzt spielen alte 
Stürmer aus Benin!
Solide Wirtschaft versprachst 
Du uns statt Schulden, 
die Südtribüne würde renoviert.
Jetzt müssen wir uns wohl
noch etwas gedulden – 
der Schatzmeister 
wird grade abgeführt. 
ESV, ach ESV, wie hast du mich verraten!
ESV, ach ESV, was hast du mir getan!
ESV, ach ESV, den Lohn zahlst du in Raten
Mein Stammplatz heißt Ersatzbank
Und mein Rasen Aschenbahn 


"Nur in einem klassenlosen Umfeld ist sichergestellt,

dass jeder Spieler jeden Tag besser wird." Horst Edamer


Jugendarbeit


Der ESV Sackbahnhof verpflichtet sich der traditionell-sozialistischen Jugend- und Nachwuchsarbeit. Zur zeitnahen und nachhaltigen Erreichung dieser gesellschaftlich wertvollen Ziele wird gemäß der Direktiven der Kommunistischen Partei Chinas der Nachwuchs verstärkt zu charakterbildender Arbeit herangezogen. Dabei obliegen

  • der C-Jugend die Reinigungstätigkeiten sowie Streich- und Malerarbeiten insbesondere an schwer zugänglichen Stellen (u.a. Heizungskeller, Öltank außen und innen, zweimal jährlich in Mussiniweiß),
  • der B-Jugend kleinere Bauvorhaben (Grillplatz, Pflasterung von Straßen und Wegen nach Möglichkeit in Grauwacke, etc.)
  • der A-Jugend Kanalbau sowie Ausschachtungen für das neue Vereinsheim „Völkerfreundschaft“ samt der Tiefgarage.

Gemäß des Grundsatzes "Unsere Zukunft ist die Jugend" werden zudem die D- und E-Jugend unter Anleitung der Älteren bei den beliebten "Festtagen der Jugendarbeit" spielerisch in die zur Erhaltung der Tribünen nötigen Renovierungstätigkeiten eingebunden.


Förderung gesellschaftlich benachteiligter Gruppen

Da sich der ESV Sackbahnhof stets der Ungerechtigkeiten der materiellen Güterverteilung in der kapitalistischen Gesellschaft bewusst ist, stehen die Beschäftigungs-, Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten ausschließlich den Sprösslingen finanziell benachteiligter (Eisenbahner-)Familien zur Verfügung.

Talentierten Kindern aus bürgerlichen Kreisen kann aufgrund ihrer hoffnungslos fortgeschrittenen charakterlichen Verformung allenfalls durch einen mehrfach erhöhten Vereinsbeitrag die Möglichkeit zur Teilnahme an sportlichen Fortbildungsmaßnahmen eingeräumt werden. In Anbetracht fehlender Reife hat diese Nachwuchsgruppe jedoch auf die Jugendarbeit zu verzichten. Stattdessen ist von ihr zur Erreichung der Ausbildungsziele die entsprechende Zeit auf der Sonnenterrasse bei bitterem Kaffee und völlig übersüßtem Kuchen abzusitzen, um sich so der Verkommenheit ihrer ausbeuterischen Klassenherkunft bewusst zu werden.

Die begeisterte C-Jugend unterstützt mit vollem Herzen den Kampf gegen die Irrlehre des Individualismus.


Philosophie

Wer könnte diese präziser wiedergeben als der Präsident selbst? Es gilt das gesprochene Wort, verkündet bei der IV. Spätsitzung des Nachwuchs-Ausschusses: "Der ESV Sackbahnhof weiß um die überlegenen Fähigkeiten des Kollektivs. Eigennutz und Egoismus, die längst entlarvten Auslöser für soziales und spielerisches Elend, werden beim ESV nie eine Heimat finden. Wahre Freude und Kreativität entfalten sich am besten im gleichberechtigten Miteinander aller gesellschaftlichen Kräfte. Im Gegensatz zu den Predigern individualistischer Irrlehren weiß sich der ESV durch die Gesetze des historischen Materialismus bestätigt. Nur in einem klassenlosen Umfeld ist sichergestellt, dass jeder Spieler jeden Tag besser wird. Diese Erkenntnisse anzuwenden und weiterzugeben ist jedem Vereinsmitglied vornehmste Verpflichtung."

Verdiente Spieler und Mitglieder

Dennis Thews

Linker, ja: linksextremer Verteidiger. Politisch höchst zuverlässig. Kam zu Beginn der 52.Spielzeit mit 20 Jahren als Amateur zum Verein, für eine Profikarriere fast schon zu spät. Arbeitete sich über die Ochsentour hoch. Klebte Plakate, schleppte Trainingszubehör, putzte Schuhe so glänzend wie keiner sonst. Brachte es beinahe zum zweiten stellvertretenden Schriftführer, unterlag aber in der Kampfabstimmung knapp Elisabeth "Lizzy" Klotz, der Tochter des Schatzmeisters. Arbeitete dennoch unverdrossen in der B-Elf an Technik, Zweikampfverhalten und Rhetorik. Am 13.Spieltag der 54.Spielzeit teilte ihm Vereinspräsident Horst Edamer mit, dass man ihn leider für die gerechte Sache, die Zukunft des Sozialismus und 190.000 Euro an den FC Edelweiß verkauft habe. Das Geld steckt jetzt in der Nordtribüne.


Lázaro Mendez

Lazaro Mendez mit seiner Matratze

Durch ein Austauschprogramm mit einem kubanischen Dorfverein kam der stets heitere rechte Außenstürmer in der 50. Spielzeit zusammen mit drei Kisten Zigarren zum ESV: Ausgetauscht wurde er gegen zehn Packungen Nylonstrumpfhosen sowie eine Schachtel kaum gebrauchter Rasierklingen. "Ein besseres Geschäft haben wir nie gemacht", schmunzelt Vereinspräsident Horst Edamer noch heute. "Gespielt hat der Lázaro praktisch umsonst, sein Geld hat er stets sofort nach Hause geschickt. Ausgegeben hat er ja fast nichts. Der hatte seinen Trainingsanzug, die Sportklamotten und fertig. Gewohnt hat er im Heizungskeller auf einer Matratze. Da sieht man mal, mit wie wenig der Mensch doch auskommen kann! Da könnten sich manche ein Beispiel dran nehmen!" Mendez blieb drei Jahre im Verein, traf 37mal, ein bis zur 54. Spielzeit ungebrochener Rekord. Anfang der 54. Spielzeit wechselte er mit 35 zum SV Kilianstädten 1993. "Die Matratze hat er mitgenommen", erinnert sich Horst Edamer gerührt, "'geht noch prima', hat er gesagt. Solche Typen gibt's heute gar nicht mehr. Und 20.000 Euro haben wir für ihn auch noch gekriegt!"


Damek Pavek

Ein Mittelfeldspieler der ersten Stunde – tatsächlich der erste Spieler überhaupt, den der ESV beschäftigte. Noch bis zum 30. Lebensjahr arbeitete der Tscheche als Aushilfskellner in "Wenzel's Balkangrill", wo er Präsident Horst Edamer ein überdurchschnittlich lauwarmes Cevapcici servierte. Eine Beschwerde führte zur Entlassung Paveks, dem Edamer daraufhin von schlechtem Gewissen getrieben einen Halbtagsjob im Profifußball mit den Worten andiente: "Ich hoffe, Sie können überhaupt spielen?!" Was Edamer verschwieg: Es gab weder eine Mannschaft noch einen geordneten Fußballbetrieb. Auch das erklärt, wie Pavek, bis dato sportlich allenfalls als Nebenerwerbsskilehrer aktiv, sich in der Mannschaft behaupten konnte. Für einen Stammplatz sicherlich hilfreich war – angesichts eines aus der Panik geborenen Überangebots an Mittelfeldspielern – sein Eintritt in die Linkspartei. Von der 50. bis zur 55. Saison erarbeitete sich Pavek trotz gelegentlicher Ausfälle wegen Trunkenheit ein leidliches Renommee. Im Interesse der Weiterentwicklung aufstrebender Talente wechselte Pavek mit 35 für 114.000 Euro zum FC Heutröchner. Seine Empfehlung an seinen Nachfolger Falko Sahnwaldt: "Talent? Am Arsch? Saufen musst du können!"


Abdul Al-Karachi

Abdul Al-Karachi

Ein bitteres, ja: herzergreifendes Beispiel der Erbarmungslosigkeit und Verlogenheit modernen Profifußballs. Als 31-Jähriger stieß der unermüdlich rackernde Amateur-Torwart zum ESV, hielt und packte sich leidenschaftlich durch fünf Jahre Kreisliga und sicherte letzten Endes den Aufstieg in die Bezirksklasse, woraufhin Präsident Horst Edamer tränenreich dem inzwischen 35-Jährigen den Vertrag ein weiteres, letztes Mal verlängerte und unter dem Jubel des Vorstands einen Messingfußball überreichte mit der Beteuerung glühendster Bewunderung:

"Dem vollendeten Beispiel gelungener Integrationsarbeit in die gesellschaftlichen und soziokulturellen Strukturen des Vereins und des Landes!"

Nach dem siebten Spieltag der neuen Saison in der höheren Klasse wurde Al-Karachi, nur eine Handbreit von Spielstärke 7 entfernt, durch einen jüngeren, stärkeren Torwart ersetzt und - aufgrund altersbedingt fehlender Verkäuflichkeit – fristlos gefeuert. Präsident Horst Edamer bestreitet bis heute, Schatzmeister Manfred Klotz habe die Notwendigkeit der Entlassung mit den Worten begründet, Al-Karachi habe "letztlich gehalten wie ein Neger!" Im Gegenteil, betont Edamer, man habe sich im besten Einvernehmen getrennt, Al-Karachi sei auch zuletzt selbst nicht mehr mit seiner Leistung zufrieden gewesen, was man schon daran sähe, dass er seinen Messingfußball in einem Urinal der Herrentoilette zurückgelassen habe.

Volkmar Driske

Volkmar Driske
Was für ein begnadetes Talent! Was für ein Jahrhundertfuß! Mit 19 aus der vereins- und volkseigenen Jugend gekommen, ein Arbeiterkind der ersten Stunde, gesegnet mit einer herrlichen, bis dato nie zwischen dem Mittleren Ring und der Setzbergstraße gesehenen Stärke 3, litt er doch unter der Tatsache, dass der Verein mit Vorstoppern nie etwas anzufangen wusste. "Vorstopper", dröhnt noch heute Präsident Horst Edamer, "sind reaktionäres Gesindel, das den Schwung der Arbeiterklasse bremsen soll! Sie sind die Freikorps des Fußballs, ein Spielposition gewordenes ,Mein Kampf'!" Volkmar Driske hat dieses Klischee freilich nie erfüllt. Seine Freizeit galt seiner zweiten großen Liebe, der Blockflöte, und an lauen Sommerabenden sah man ihn mitunter auf einem Grünstreifen des Mittleren Rings die Harfe streichen. Vier Jahre lang arbeitete sich der immer leicht übergewichtige Feingeist mit Gelegenheitseinsätzen und fleißigem Training auf Spielstärke 6, einen Verkauf oder auch nur eine Wechselfreigabe lehnte Präsident Edamer lange ab, mit der Begründung: "Ich weiß auch nicht. Es wäre doch irgendwie schade." Als in der 55. Spielzeit der Marktwert langsam zu sinken begann, wurde Driske für 150.000 Euro an den VfL 08 Bamberg abgegeben. Noch heute hört man aus dem dortigen Oberfrankenstadion gelegentlich die Klänge seiner Harfe aufsteigen, die traurig die schöne alte Vereinshymne spielen "ESV, ach ESV – wie hast du mich verraten?" (siehe Kasten)



Viktor Hellmich

Viktor "Fummel" Hellmich
Die Frage ist berechtigt: Kann jemand, der noch schlimmer spielt als Arne Friedrich, dennoch irgendwo als rechter Verteidiger unterkommen? Seit Viktor Hellmich lautet die Antwort "ja". Zeit seines katastrophalen Engagements beim ESV mochten die Gerüchte nicht verstummen, die Trainer bekämen eine Auflaufprämie für jedes Spiel, in dem Hellmich auf der rechten Verteidigerposition sein heilloses Unwesen treiben durfte, bei dem sich Fehlpässe munter mit verkümmerten Rückgaben und dem ein- oder anderen Eigentor abwechselten. Bewiesen wurde nie etwas, fest steht hingegen, dass Hellmich über Jahre hinweg mehrfach nach Vereinssitzungen mit Elisabeth "Lizzy" Klotz hinter dem Vereinsheim gesehen wurde. Und ebenso fest steht, dass ihr Vater, Schatzmeister Manfred Klotz, zu später Stunde des öfteren zwischen zwei Lokalrunden lauthals der Ansicht war, er, Klotz, wüsste zwar nicht warum, aber er sei der letzte, der Fragen stelle, wenn jemand die Freundlichkeit hätte sich mit diesem Kartoffelsack von Tochter zu befassen. Von mindestens 43 Zeugen bestätigt ist freilich Klotz' letzte Diskussion mit Hellmich, bei der der inzwischen 64-Jährige auf dem Platz der A-Jugend mehrfach mit einer Eckfahne auf den Rechtsverteidiger eindrosch und schrie: "In spätestens 14 Tagen hast du das Aufgebot bestellt und die Einladungen verschickt oder du erlebst den nächsten Tag nicht mehr!" Der Rest der Geschichte ist rasch erzählt: Niemand im Verein hat je irgendwelche Einladungen von Viktor Hellmich erhalten, Lizzy Klotz kehrte aus ihrem kurzen Hollandurlaub depressiv, aber deutlich unkartoffelsackiger zurück, und Viktor Hellmich wurde mit Schwellungen im Gesicht in einer Nacht-und-Nebel-Aktion für 93.501 Euro an Boavista Altenessen verkauft, vorgeblich, weil im neuen 343-System ohnehin keine Außenverteidiger mehr nötig waren.


Vereinshymne "Früher war alles besser"
Früher war alles besser.
Früher war alles gut.
Das Leben war noch nicht so schlecht.
Das Gelenk meiner Hüfte war echt.
Früher war alles besser.
Früher war alles gut.
Wenn ich ein spielendes Kind anschrei
Denke ich: „Früher ist heute vorbei.“
Und wie gut mir das Schreien heut tut.
Sie sehen die Vereinshymne, gesungen vom Bund sozialistischer Jungbahnerinnen unter der Leitung von Waltraud Weichmeier-Gegenwind.

Sören Hanser

Was ist Loyalität wert? Zwei Männer wissen es heute: Timo Hildebrand und – Sören Hanser. Mit 20 Jahren vom Amateurmarkt verpflichtet, durfte sich der trainingsfleißige und begabte Torwart drei Jahre lang Hoffnung machen, eines Tages den Platz von Torwartlegende Abdul Al-Karachi einzunehmen. "Herr Präsident", so wandte er sich oftmals ungeduldig drängend an Horst Edamer, "wann schlägt endlich meine Stunde?" Und Horst Edamer erinnert sich: "Jung, hab ich ihm gesagt, Jung, du hast noch so viel Zeit! Ich konnte ja nicht ahnen, wie die Saison verläuft, nicht wahr?" Die 55. Saison verlief derart fiaskös, dass schon nach dem 7. Spieltag der 28-jährige Ukrainer Pavao Lavrenchuk angeheuert, Al-Karachi gefeuert und Hanser überflüssig wurde. Für überraschend hohe 276.000 Euro wurde Hanser in einer Nacht- und Nebelaktion an das Schlumpfteam 07 veräußert. Dort, in der griechischen Verbandsliga, saß er lange auf der Bank oder wurde positionsfremd eingesetzt. Hanser wurde mehrfach in übel beleumundeten Bars beim Konsum billigster Schnäpse beobachtet, seine Frau reichte die Scheidung ein. Nach drei Entziehungskuren und der Transplantation einer neuen Leber kann Hanser derzeit als trocken gelten und geht unter ständiger psychologischer Betreuung seinem Beruf nach. Den Plan, seine Memoiren im Selbstverlag herauszubringen, hat Hanser inzwischen fallen gelassen, stattdessen erwägt er nach dem Karriereende eine weitere Tätigkeit in der evangelischen Missionsarbeit.


Dirk und Doof – Dirk Dörnbrack und Reinhard Raspe

Dirk Dörnbrack (l.) und Reinhard Raspe haben sich auf die Zahl der Innenverteidiger geeinigt
Ein bitterer Spitzname macht dieses Duo bis heute unvergesslich. Dirk Dörnbrack war – zusammen mit Reinhard Raspe - unter der Bezeichnung "Dirk und Doof" ein Symbol für Zuverlässigkeit in der Innenverteidigung. Mit 29 wurde Dörnbrack aufgrund seiner breiten Schultern aus einer Schlange am Arbeitsamt weg engagiert, seine schnelle Auffassungsgabe machte ihn rasch zum idealen Nebenmann für den mental minder begünstigten Raspe. Schon durch wenige präzise Kommandos wie "Treten!", "Fester!" und "Zwischen die Beine!" wuchs der oft orientierungslose, gleichaltrige Raspe über sich hinaus. Die Trennung des Traumpaars ergab sich durch die unterschiedlich raschen Fortschritte der Nachwuchsleute. Marien Biya trat zügig in Dörnbracks Fußspuren, Raspes gleichermaßen begriffsstutziger Nachfolger Louis Hosbach hatte jedoch ebenfalls Mühe, den Anweisungen zu folgen und scheiterte noch mit 23 häufig an der Entschlüsselung der Bezeichnung "Stürmer", "Strafraum", "Fuß" oder auch "Ball". Gegen Ende der Saison 55 kam für Dörnbrack der Moment, Abschied zu nehmen. Für 109.000 Euro wechselte er zu den Mahoniiis in die Türkei, wo um ihn eine junge Mannschaft wachsen soll. Reinhard Raspe, von Biya noch einige Zeit weiter betreut, wechselte kurz nach Beginn der Saison 56 für 130.000 Euro zu SuS Sichtigvor, wo er sich dem Vernehmen nach bemüht, in kleinen Schritten das Schachspiel zu erlernen. Derzeit übt er mit einem Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett und einem Farbwürfel.

Hartmut Sobek

Hartmut Sobek
Es dürfte in der Geschichte der Menschheit wohl keinen faireren Sportsmann gegeben haben als Hartmut Sobek, den "Ritter des Rasens". Aufgewachsen als schlesisches Waisenkind, machte er sich in verschiedenen freien Fußballmannschaften einen Namen, indem er seit Beginn seiner Glaserlehre zunächst auf Schaumstoffbällen bestand, dann aber dazu überging, in der Nähe von Fenstern und Glasscheiben nur Flachpässe zu spielen. Trotz dieses Handicaps sorgte der leidenschaftliche linke Außenstürmer über mehrere Jahre in den Amateurligen zunehmend für Aufsehen, bis ihn der ESV mit 28 Jahren in der 51. Spielzeit unter Vertrag nahm. Aufgrund seiner einzigartigen technischen Fähigkeiten behauptete sich Sobek als einziger Spieler der Mannschaft der ersten Stunde von der Kreisliga bis hinauf in die Bezirksliga. Sobek schoss in dieser Zeit 113 Tore, bemerkenswerter ist jedoch die Zahl der Tore, die er nicht schoss: Sobek, seit seiner Zeit im Waisenhaus ein Gerechtigkeitsfanatiker, verweigerte 12 Elfmeter zu seinen Gunsten mit den Worten "Lächerlich, da war gar nichts!", unterbrach 77 Angriffe mit dem Ruf "Ich bin abseits!", korrigierte eigenmächtig 213 Einwurfentscheidungen und verlegte freiwillig seine Freistöße um insgesamt 14,3 Kilometer nach hinten. Auf dem Papier stets schwächster Stürmer, war Sobek dennoch auf dem Feld immer eine Verstärkung. Unvergesslich bleibt sein letztes Spiel für den ESV: Sobek, der in der ganzen ersten Saisonhälfte 58 nur zweimal getroffen hatte, erzielte in seinem persönlichen Abschiedsspiel einen lupenreinen Hattrick. Als er in Halbzeit zwei auch noch den vierten Treffer zum 4:0 gegen SF Wuppertal flach einschoss, hatte die gesamte Südtribüne Tränen in den Augen. Präsident Horst Edamer versprach mit belegter Stimme, noch in dieser Saison im Jugendbereich eine "Hartmut Sobek Bewegung" zu gründen. Anschließend nahm er unter Weinkrämpfen einen Scheck von den Kickers of Catalunya über 190.000 Euro entgegen. Hartmut Sobek beendete seine Karriere in der tschechischen Verbandsliga.

Louis Hosbach

Louis Hosbach
Louis Hosbach ist das beste Beispiel dafür, dass im Fußball nicht nur Talent entscheidet. Mit 21 Jahren vom Amateurmarkt geholt, hatte der technisch wenig begabte rechte Innenverteidiger ab der 65. Minute stets mit Konditionsschwierigkeiten zu kämpfen. "Spielintelligenz fehlte völlig", erinnert sich Präsident Horst Edamer, "anders als andere Spielern hatte er jedoch keine leichte Abneigung gegen das Training, sondern einen ausgeprägten Widerwillen." Infolgedessen machte der gebürtige Österreicher stets die geringsten Fortschritte der Mannschaft und stand im Grunde schon kurz vor dem Verkauf - bis er seine wahre Stärke entdeckte: das Kollektiv. Seither entgegnete Hosbach Kritikern sachlich: "Das Team verliert und gewinnt im Zusammenwirken aller produktiven Kräfte." Deckungsfehler erläuterte er mit: "Die Defensive beginnt in der Offensive." Und verursachte Elfmeter erklärte er mit: "Als Innenverteidiger siehste halt immer Scheiße aus." Damit hielt sich Hosbach über fünf Spielzeiten verblüffend zäh in der ersten Mannschaft. Als er schließlich in der Landesliga noch immer bei Spielstärke 8 stagnierte, wurde er Mitte der 60. Spielzeit für 401.003 Euro an die NuMex Conquistadors veräußert, wo er sofort stärkster Spieler des Kaders war. Die Verbreitung des Kollektivgedankens hat er dort zurückgestellt, vermutlich aus Bescheidenheit.

Herbert Endresz

Ist der professionelle Fußball wirklich so menschenverachtend, wie man immer denkt? Aber sicher! Wie sonst ließe sich das Schicksal von Herbert Endresz erklären? Ende der 53. Saison kam der 27-Jährige zum ESV, mit seinen Toren gehörte der Rechtsaußen zum legendären Dreiersturm Sobek-Siebert-Endresz, dessen Tore den ESV von der Kreisliga in die Landesklasse brachten. Als Nachwuchsmann Dudley Curtis nicht und nicht zur Klassentauglichkeit heranreifte, erklärte sich Endresz bereit, seine Karriere nach der letztmöglichen Verlängerung beim ESV mit 36 zu beenden statt noch ein Jahr anderswo dranzuhängen. Als Endresz dann die letzten vier Spieltage seines Sportlerlebens durch ein Foul gesperrt wurde, erreichte ihn in einem Recyclingumschlag statt der versprochenen Einladung zum Abschiedsspiel die fristlose Kündigung. Präsident Horst Edamer kommentierte den Vorgang mit: "Wir sind keine Wärmestube für disziplinlose Altprofis." Endresz lebt heute von vergorenen Obstschalen unter verschiedenen Münchner Brücken.

Stepan Smirnov

Stepan Smirnov bei der Ballarbeit
Kaum ein Schicksal hat der Fall des Eisernen Vorhangs so beeinflusst wie das von Stepan Smirnov. Aufgewachsen in den sozialisten Jugendbrigaden der Sowjetunion zerbrach für den jungen Stepan eine Welt, in der auch die Tätigkeit des Torhüters eine Kollektivaufgabe war. Als nach 1990 plötzlich nur zwei Hände die Arbeit von 22 übernehmen mussten, ging Smirnov entmutigt von der Aussichtslosigkeit der Aufgabe in die innere und äußere Emigration. Verbittert fristete er sein Dasein unter französischen Genossen, die mit knusprigen Weißbroten und fetten Camemberts den Gedanken proletarischer Ernährung unterhöhlten - bis ihm ESV-Präsident Horst Edamer begegnete. Während einer Tagung zum Thema "Umweltverträgliche Wiederaufbereitung von Fleischabfällen" in Marseille entdeckte Edamer den 27-Jährigen und erzählte ihm von den Vorteilen marktwirtschaftlichen Torhütens unter dem Dach sozialistischer Eisenbahnersolidarität. Wie etwa Geld, mit dem man sich einen zugigen Plattenbau originalgetreu nachbauen könne. Schritt für Schritt holte Edamer Smirnov aus seiner Isolation, der wiederum hielt mit seinen Paraden den ESV acht Jahre lang in der Landesklasse, in der Saison 67 sogar als zweikampfstärkster Spieler. Zu Beginn der Saison 71 wechselte der 35-Jährige zum letzten Mal: für 1,6 Millionen Euro ging er als bis dahin teuerster Spielerverkauf des ESV zu Dark Fenerbahce in Brasiliens zweite Liga. Das Gehalt dort ermöglichte es ihm, seinen Plattenbau komplett abreißen und in Brasilien wieder aufbauen zu lassen. Nach seiner Laufbahn möchte Smirnov als Architekt arbeiten.

Heidrun Rummel

Köchin aus Leidenschaft: Heidrun Rummel (2.v.l.] mit Assistentinnen bei der Zubereitung der Steakplatte "Schwellenangst" für eine Familienfeier
Zu Unrecht in Vergessenheit geratene Münchner Arbeitergastronomin und Küchenchefin des Vereinslokals "Zur goldenen Lochzange". Lange Zeit galt sie im Verein als die Rosa Luxemburg des 20. Jahrhunderts, bis liberale Pedanten anmerkten, das 20. Jahrhundert verfüge bereits über eine Rosa Luxemburg. Im Anschluss führte Heidrun Rummel die weniger einprägsamen Ehrentitel "Rosa Luxemburg der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts", "Ursula Engelen-Kefer von München-Obergiesing" und – eher verwirrend – "Ulrike Meyfarth der Gastronomie". Letzten Endes einigte man sich auf "Die Eisenbahnerin mit den größten Puffern Anfang des dritten Viertels des 20. Jahrhunderts". Einen Namen machte sich Heidrun Rummel nicht nur mit der Roulade "Rotfront", dem Kalbsgulasch "Aktivist" und der 4-Personen-Platte "Volksgenuss", sondern auch mit dem von ihr entwickelten Eintrittskartenmodell "Kostenlos für alle", das schon 2012 in die Vereinsziele aufgenommen werden soll.

Im Jahr 1987 erkrankte Heidrun Rummel nach einer unerwartet kühlen Maidemonstration an einer zunächst leicht scheinenden Grippe. Nach dreiwöchiger Leidenszeit erholte sie sich vollständig und kocht bis heute weiter. Trotz mehrerer Versuche gelang es dem Vereinspräsident Horst Edamer bisher nicht, die voreilig posthume Stadiontaufe zu revidieren.

Weitere Vereinsgliederungen

Die Sobek-Jugend

Die Kicker- und Kaderschmiede soll den ESV Sackbahnhof fit machen für das 22. Jahrhundert. Nach dem Vorbild des Namensgebers Hartmut Sobek haben sich Sobek-Jungen mit einem selbstgewählten Handicap zu noch größeren Leistungen herauszufordern. Das Handicap muss dabei innerhalb des Vereins einzigartig sein, um höchstmögliche Vielseitigkeit zu bewirken. Als nachahmenswert können dabei gelten:

  • Giuseppe Kalkhoff, C-Jugend, linker Manndecker (ausschließlich Kopfbälle)
  • Alfons Epple, B-Jugend, rechtes Mittelfeld (glatte Sohlen, mit Butter bestrichen)
  • Gustav Kettler, C-Jugend, Torwart (ohne Hände)
  • Fiete Winora, B-Jugend, Mittelstürmer (nur kriechend)

Die Verträglichkeit des Sobek-Jugend mit der Ablehnung des Individualismus wird derzeit noch durch den Nachwuchs-Ausschuss geprüft.

Historische Ereignisse

Die Meisterschaft in der Kreisliga 377, Spielzeit 54

Anlässlich des errungenen Meistertitels ließ es sich Präsident Horst Edamer nicht nehmen, der ganzen Mannschaft reichlich Limonade und Salzbrezeln zukommen zu lassen, bevor sich der geschäftsführende Vorstand (Präsident Horst Edamer, Schatzmeister Manfred Klotz und Schriftführer Hans-Jürgen Wagenburger) zur Planung der neuen Saison in die Konferenzräume des "Leierkasten" zurückzog.


Die Aufstiegsfeier in der Bezirksklasse 98, Saison 57

Kurz nach dem 27. Spieltag griff die Polizei Schriftführer Hans-Jürgen Wagenburger gegen zwei Uhr morgens an der tschechischen Grenze in Frauenkleidern auf. Noch während des Heimtransports soll Wagenburger mehrfach erbittert über "den Horst, die blöde Sau" geflucht haben. Wie sich später herausstellte, hatte sich Präsident Horst Edamer aus reinem Kosten-. und Verantwortungsbewusstsein geweigert, Vorstandsmitglieder unterhalb der Schatzmeister-Ebene in den "Leierkasten" mitzunehmen. Edamer wörtlich: "Ich kann nicht alle drei Jahre den Verein für drei Mann Champagner bis zum Abwinken zahlen lassen. Das geht höchstens für zwei."


Die Meisterschaft in der Bezirksklasse 98, Saison 57

Nachdem sich die Mannschaft nach dem Titelgewinn selbstlos bereit erklärte, in diesem Jahr aus Kostengründen auf die Salzbrezeln zu verzichten, nahm der geschäftsführende Vorstand die sichere Meisterschaft zum Anlass für ein mehrstündiges Krisengespräch in den Geschäftsräumen des "Leierkasten". Wechselseitig und mehrfach versicherten sich dort Präsident Horst Edamer, Schatzmeister Manfred Klotz und Schriftführer Hans-Jürgen Wagenburger ihrer innigen Verbundenheit sowie ihrer erstaunlichen Potenz. Auch langfristige Ziele wurden festgelegt. So soll die Mannschaft zügig den Aufstieg in die Landesliga vollziehen, um einerseits endlich als Beleg für die Überlegenheit des Sozialismus dienen zu können, und um andererseits endlich ausreichend Publikumsreichweite für größere Sponsoren zu erzielen. Beispielsweise Viagra.


Der Klassenerhalt in der Bezirksliga 21, Saison 58

Trotz der angespannten Kassenlage feierten Mannschaft und Präsidium mit selbst gemachter Limonade und von den Spielerfrauen gebackenen Salzbrezeln bei blendender Stimmung bis weit nach 17 Uhr. Präsident Horst Edamer (in Begleitung von Gattin Ludmilla) wirkte von der anstrengenden Saison etwas angegriffen und zog sich bereits gegen 16 Uhr zurück, weshalb Schatzmeister Manfred Klotz etwas ungehalten im "Leierkasten" absagte. Auf einhellige Bewunderung stieß Frau Edamers neue Nerzstola.


Die Aufstiegsfeier in der Bezirksliga 110, Saison 59

Noch nie hat man Präsident Horst Edamer so weinen sehen wie nach dem überraschenden zweiten Platz schon im zweiten Bezirksligajahr. Drei Mitarbeiterinnen des "Leierkasten" bezeugen unabhängig voneinander, Edamer habe die ganze Nacht "nur reden" wollen. Schatzmeister Manfred Klotz ergriff stellvertetend das Wort und nahm nur kurz auf seine souverän abgewiesene Vaterschaftsklage Bezug. Zuvor hatte es die Mannschaft noch in der Umkleidekabine mit stillem Mineralwasser herzhaft krachen lassen. Um 18.15 Uhr war hier natürlich Zapfenstreich.


Der Klassenerhalt in der Landesklasse 32, Saison 60

Aufgrund der von Schatzmeister Manfred Klotz verschuldeten Renovierung des Stadions während des Heimspiels gegen den Tabellenführer und der daraus resultierenden Einnahmeausfälle konnte am vorletzten Spieltag der Klassenerhalt nur durch eine kurze Ansprache von Präsident Horst Edamer in der Umkleidekabine gewürdigt werden. Die gerührte Mannschaft bekam anschließend einen kräftigen Handedruck und durfte am Waschbecken nach Herzenslust trinken. Bei der traditionellen Nachbesprechung im "Leierkasten" musste auf Champagner verzichtet werden. Schatzmeister Manfred Klotz und Schriftführer Hans-Jürgen Wagenburger konnten durch einen hart ausgehandelten Gruppennachlass immerhin eine routinierte Unterhalterin für das spätere Abendprogramm ermöglichen.


Die erste Pokalteilnahme, Saison 61

Anlässlich der denkwürdigen Premiere des ESV Sackbahnhof im traditionsreichen Pokalwettbewerb wurde auf einstimmigen Beschluss des Präsidiums die Büste von Präsident Horst Edamer in der Aula des Vereinsheims aufgestellt. Einstimmig wurde weiterhin beschlossen, das Spielergebnis nicht weiter zu erwähnen.


Die Aktion Sauberes Vereinsheim in der Saison 62

Durch einen sorgfältigen Abgleich der Kontodaten der Vereinslieferanten mit denen aller Vereinsangestellten unterhalb der Vorstandsebene, ihrer Verwandten und Nachbarn konnten mehrere Auffälligkeiten in den Finanzströmen festgestellt und bereinigt werden. So wurde etwa durch eine simple Mitteilung an den Verlag der örtlichen Tageszeitung die Unsitte beendet, dass die Schwägerin des Bruders des Platzwarts die Zeitung zustellt. Frau, Bruder und Platzwart wurden zudem mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben freigestellt. "Wir müssen korrektes Vorgehen auch und gerade im Kleinen fordern", unterstrich hierzu Präsident Horst Edamer die Notwendigkeit von Entschlossenheit und Härte. "Schließlich sind wir unseren Mitgliedern, dem Steuerzahler und der sozialistischen Bewegung Aufrichtigkeit schuldig."


Die erstmalige Ankunft in der dritten Pokalrunde in der Saison 68

Besinnungslos vor Freude über den ersten Auswärtssieg in der zweiten Pokalrunde ließ sich Präsident Horst Edamer auf drängendes Bitten des dankbaren Präsidiums hin davon überzeugen, seine Büste in der Aula des Vereinsheims vergolden zu lassen.


Die erstmalige Ankunft in der vierten Pokalrunde in der Saison 68

Außer sich vor Glück über einen weiteren Auswärtssieg in der dritten Pokalrunde nahm Präsident Horst Edamer das restliche Blattgold zweifellos versehentlich mit nach Hause. Es wurde von einer Vereinsabordnung kurz darauf wieder vollständig abgenommen und zurückgebracht, allerdings mochte keiner der Abgeordneten sagen, von welchem Körperteil des Präsidenten.


Der Aufstieg in die Landesliga, Spielzeit 70

Überrascht vom Aufstieg mit Platz 3 bricht ESV-Präsident Horst Edamer sofort nach Streichung der Aufstiegsprämien ("Für den Länderwechsel anderer Feiglinge gibt's kein Geld!") bewusstlos zusammen. Die Damen im "Leierkasten" vermuten zunächst ein Übermaß an Freude, es ist dann aber doch die Schweinegrippe.


Der Abstieg in die Landesklasse, Spielzeit 73

Emotional überwältigt verabschiedet sich ESV-Präsident Horst Edamer für drei Tage zur Kur in den "Leierkasten". Die nicht unerheblichen Kosten (u.a. Janine, Analia, die Zwillinge) sind dank des Transferüberschusses (12er Verteidiger verkauft, 8er geholt) mühelos zu tragen.


Die Meisterschaft in der Landesklasse 26, Saison 77

Aufgrund unvorhergesehener Kostensteigerungen bei der Renovierung des "Leierkasten" (Rohstoffverteuerung, Entspannungslandschaft im Südflügel, Bentley mit Wunschlackierung) muss ESV-Präsident Horst Edamer die Aufstiegs- und Meisterschaftsfeier leider verschieben. Der Unmut der Mannschaft erlischt sofort, als Edamer darauf aufmerksam macht, dass der "Leierkasten" einzigartig sei als selbstverwaltetes Kollektiv im Besitz der weiblichen Produktivkräfte und somit ein unentbehrliches Zeichen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung von Mann und Frau.


Der Abstieg in die Landesklasse, Spielzeit 78

Erschüttert über den völlig unerwarteten Abstieg fällt weder ESV-Präsident Horst Edamer noch der Mannschaft auf, dass die Meisterschaftsfeier vom letzten Jahr gar nicht nachgeholt wurde. Dem tränenverschleierten Blick des Teams entgeht zudem eine Zeitungsnotiz, der zufolge der "Leierkasten" keinem wie immer gearteten Nuttenkollektiv gehört.


Der Sprung über die 50.000-Plätze-Schwelle und Stadionumbenennung

Anlässlich der Eröffnung des neuen Bauabschnittes sowie der Perspektive eines künftigen Angebots von über 50.000 überdachten Sitzplätzen beschließt die Vereinsführung auch nach außen hin Zeichen des Fortschritts zu setzen: Die ruhmreiche "Heidrun-Rummel-Kampfbahn" wird zum Ende der Saison 81 umgetauft in "Arena AufHeidrunRummel". Für den Umbau nicht benötigte Finanzreserven fließen während des gesamten Bauabschnitts kontinuierlich zur Förderung der regionalen Wirtschaftskreisläufe in den "Leierkasten".

Die Meisterschaft in der Landesklasse 56, Saison 89

Angesichts der Eurokrise und des damit einhergehenden Zusammenbruchs des Kapitalismus investiert ESV-Präsident Horst Edamer die Aufstiegsprämie sowie das gesamte Vereinsvermögen in Büroklammern, deren Wert er angesichts der Welt-Kupferpreise für stabil hält. Dass es sich dabei nur um eine Kupferbeschichtung handelt, führt erstmals in der Vereinsgeschichte zu einer Zwangsanleihe bei den eigenen Spielern. Die Stimmung im Verein ist schlecht, im "Leierkasten" will Präsident Edamer bei der Ein-Mann-Meisterfeier "nur reden".

Literatur

Edamer, Horst: Menschenführung, Unternehmensleitung & Wurstwaren, Giesing 2006, Edition Edamer.

"Liebe Genossinnen und Genossen." Rede von Präsident Horst Edamer anlässlich des Erhalts der Bezirksklasse. In: Das Sackbahnblatt 7/2007, S. 18-28.

Klotz, Manfred: Gesammelte Rechenschaftsberichte. Handschriftlich, Vorlage auf Anfrage.


Sportliche Bilanz

Saison Liga Platzierung
94 Landesliga 24
93 Landesliga 29 4
92 Landesliga 29 13
91 Landesliga 16 12
90 Landesliga 25 9
89 Landesklasse 56 1
88 Landesklasse 24 4
87 Landesklasse 29 7
86 Landesklasse 60 10
85 Landesklasse 8 6
84 Landesklasse 3 12
83 Landesklasse 5 8
82 Landesklasse 8 11
81 Landesklasse 44 6
80 Landesklasse 22 4
79 Landesklasse 26 3
78 Landesliga 13 15
77 Landesklasse 26 1
76 Landesklasse 49 5
75 Landesklasse 64 3
74 Landesklasse 55 9
73 Landesliga 12 16
72 Landesliga 8 6
71 Landesliga 7 9
70 Landesklasse 56 3
69 Landesklasse 14 3
68 Landesklasse 21 14
67 Landesklasse 47 8
66 Landesklasse 52 4
65 Landesklasse 22 11
64 Landesklasse 22 12
63 Landesklasse 26 12
62 Landesklasse 53 7
61 Landesklasse 37 10
60 Landesklasse 32 10
59 Bezirksliga 110 2
58 Bezirksliga 21 10
57 Bezirksklasse 98 1
56 Bezirksklasse 159 12
55 Bezirksklasse 247 5
54 Kreisliga 377 1
53 Kreisliga 330 4
52 Kreisliga 145 3
51 Kreisliga 186 7
50 Kreisliga 321 5

Redaktioneller Hinweis

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